Moratorium

Bürgerinitiative „Schlosspark – Freier Zutritt“
Dresden – Pillnitz
MORATORIUM

Angesichts der zahlreichen Proteste gegen die Erhebung eines Eintritts für den Schlosspark Pillnitz und angesichts der Vielzahl von Vorschlägen für die Gewinnung von unbestreitbar notwendigen Geldmitteln für die Erhaltung des Parks bittet die Bürgerinitiative um ein MORATORIUM, in dem für die Dauer von 2 Jahren der Beschluss über ein Eintrittsgeld ausgesetzt wird und ein von allen Beteiligten (Sächs. Finanzministerium / Verwaltung Schlösser und Gärten / Stadt Dresden / Bürgerinitiative) entwickeltes Alternativkonzept zur Beschaffung der finanziellen Mittel erprobt werden kann.
Das MORATORIUM könnte zu einer Lösung mit Modellcharakter auch für andere vergleichbare Kulturobjekte in Sachsen führen.

Anlage zum Moratorium – Eintritt Schloss Pillnitz

1. Hintergründe für das Problem

Die Absicht, für den Pillnitzer Park Eintritt zu verlangen, berührt ein grundsätzliches Problem: Der Schloss-Park von Pillnitz als landschaftlich wunderbarer Teil des über Jahrhunderte historisch gewachsenen Lebensraumes der Pillnitzer/Hosterwitzer Bür-ger und zahlloser Dresdner soll durch Erhebung eines Eintrittsgeldes zu einem be-sonderen, wirtschaftlich definierten Territorium und damit aus dem Lebensraum aus-gegliedert werden.
Auch wenn es sich um vergleichsweise geringe Eintrittsgebühren handelt, berührt dieser Schritt ganz tief die Identität der Menschen, die hier leben, die hier arbeiten und die aus näherer oder fernerer Umgebung sich hier erholen.
Der Park war über Jahrhunderte durch seine freie Zugänglichkeit geistiger wie emoti-onaler Mitbesitz der Menschen. Seine innere räumliche Gestaltung mit allen Wegen und Blickachsen bezieht und entfaltet sich auf die ihn umgebende Landschaft in direkter Partnerschaft mit dem Elbestrom. Gleichermaßen umgeben die Häuser und Gärten von Pillnitz und Hosterwitz den Park wie einen schützenden Gürtel. Auf diesem Hintergrund ist der Park sowohl Erholungsraum wie auch Passageraum für die Bewohner wie für alle Besucher.
In seiner hohen ästhetischen Qualität hinsichtlich der Gartenkunst wie auch der Ar-chitektur der Gebäude und deren Innenausgestaltung mit Mobiliar und Raumausstat-tungen unterschiedlichster Stilistik formte er auch stets das Lebensgefühl der Men-schen mit: es ist die Erfahrung von Kunst und Kultur, in der Geist und Natur harmo-nisch verbunden sind.

Vor diesem Hintergrund sollte der leidenschaftliche Protest der Bürgerinnen und Bür-ger verstanden werden.
Es geht ihnen nicht um die Abwehr einer vergleichsweise geringen Eintrittsgebühr, die von den meisten Menschen bezahlt werden könnte. Es geht ihnen um den Verlust kulturellen Eigentums, für das der freie und ungehinderte Eintritt ein wichtiges Symbol ist.
In dieser Haltung bezeugen die Bürger ihre tiefe, traditionell verwurzelte Verbindung zu dem Gesamtkunstwerk Schloss Pillnitz, und aus dieser Haltung heraus sind sie auch in hohem Maße zu Mitverantwortung und Mitgestaltung dieser Aufgabe bereit.

2. Mitverantwortung der Bürger und Transparenz der Verwaltung „Schlösser und Gärten“

Für die Bürger steht außer Frage, dass für die Erhaltung und Pflege des Schlossparks erhebliche Mittel aufgebracht werden müssen. Diese Mittel rekrutieren sich zum einen aus Geldern der Öffentlichen Hand (Freistaat Sachsen) und zum anderen aus Eigenmitteln, die von Schloss und Park Pillnitz (Schlösser, Burgen und Gärten Sachsen) selber zu erwirtschaften bzw. einzunehmen sind.
Dafür hatte seit dem Jahre 2005 eine eigens dafür gegründeten Arbeitsgruppe aus ehrenamtlich engagierten Bürgern des Ortes, Vertretern der Schlossverwaltung und der Stadtverwaltung Dresden und Vertretern der ortsansässigen Vereine verschiedene Vorschläge erarbeitet. Diese Vorschläge blieben aber, trotz einer Nachfrage und gleichzeitigen Beschwerde beim Finanzministerium im Jahre 2007, unbeantwortet bzw. wurden bei dem erneuten Beschluss, für den Schloss-Park ab 2. April 2012 Eintrittsgelder zu erheben, in keiner Weise berücksichtigt.
Diese Ignoranz gegenüber diesen Mitbürgern ist demokratiefeindlich, weil sie ein wichtiges Potential an verantwortlicher Mitgestaltung und daraus erwachsender krea-tiver und fantasievoller Lösungsmöglichkeiten düpiert.
Im gleichen Sinne waren die bisher dargestellten Argumente der Schlösserverwal-tung für die unbedingte Notwendigkeit der Einführung von Eintrittgeldern nicht über-zeugend und ließen auch eine seriöse Wirtschaftlichkeitsprüfung der Maßnahme vermissen.

Das Grundmuster zukünftiger demokratischer Verantwortung bei kontroversen Fra-gen, die den Lebensraum der Menschen direkt berühren, muss Kooperation und Partizipation sein.

Deshalb:

3. Neue Ansätze für die Entwicklung von alternativen Konzepten zur Gewinnung von Eigenmitteln für die Erhaltung des Schlossparks

Die unbestrittene Aufgabe, im Schloss und Park von Pillnitz Einnahmen zu erzielen, die als Eigenmittel den Gesamthaushalt der Anlage verbessern und wichtige Arbeiten der Pflege und Erhaltung fördern, muss zu einer Gesamtbetrachtung der Anlage Schloss Pillnitz mit Parkanlage führen.

3.1. Parkmöglichkeiten für Fahrzeuge
Die Bürgerinitiative hat, ausgehend von den statistischen Angaben der Verwaltung „Schlösser und Gärten“, die Parkplatzsituation für PKWs und Busse untersucht. Da-bei stellte sich heraus, dass angesichts der Nutzung und auch der Höhe der Gebüh-ren ein großes Potential von bisher nicht akquirierten Mehreinnahmen vorhanden ist. Die Höhe dieser Mehreinnahmen kann sehr genau ermittelt werden und führt zu ei-ner wesentlichen Verbesserung der Einnahmen.

3.2 Schloss und Park als Gesamtkunstwerk
Gegenwärtig genießt der Park mit seiner Bepflanzung und dem außerordentlichen dendrologischen Bestand große Aufmerksamkeit für alle Besucher. Die Gebäude – Wasserpalais, Neues Palais mit Kuppelsaal und Bergpalais, Englischer und Chinesi-scher Pavillon – hingegen sind kaum genutzt.
Hierfür Ideen zu entwickeln, wie diese Kostbarkeiten der Architektur genutzt werden können und Erträgnisse erwirtschaften, ist eine wichtige Aufgabe im Zusammenhang der Problematik. Die Bürgerinitiative hat hierfür verschiedene und bemerkenswerte Ansätze vorgelegt. Dazu gehören:
Konzerte und Serenaden, Theateraufführungen, Bürgerfeste (wie Elbhangfest und Schlössernacht), Vermietungen von Räumen für private Feiern (z. B. Hochzeitsfeiern im Zusammenhang der Hochzeitskirchen „Maria am Wasser“ und „Weinbergskirche“), Mieteinahmen für die großen Flächen der von den Staatlichen Kunstsammlun-gen Dresden (Kunstgewerbemuseum) genutzten Ausstellungsräume in Berg- und Wasserpalais, der zweite zu errichtende Parkplatz für den Bustourismus. Auch fach-spezifische Tagungen oder internationale Kongresse im Zusammenklang mit den ortsansässigen HTW bzw. Gartenbauschulen, dem Prof. Julius-Kühn-Forschungsinstitut, dem Kunstgewerbemuseum der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, dem Institut für Holztechnologie Dresden (in Verbindung mit dem einzigar-tigen Baumbestand) könnten den Standort Schloss Pillnitz nicht nur potenzieren, sondern als „Nebeneffekt“ auch erforderliche Finanzen zum Erhalt der Gesamtanlage einbringen.

Weitere Ideen könnten zusammen mit der Verwaltung „Schlösser und Gärten“ entwi-ckelt werden. Anregungen für eine solche vielfältige Nutzung könnten auch durch Austausch mit anderen vergleichbaren Anlagen in Deutschland und dem Ausland gewonnen werden.
Im Bereich des Dresdner Elbhangs gibt es viele künstlerisch tätige, kulturell enga-gierte Menschen, die sich professionell mit Gestaltungsaufgaben und Marketing be-schäftigen und für Ideen zur erweiterten Nutzung des Parks ansprechbar wären. Eine Ideenkonferenz unter Einbeziehung aller Verantwortlichen und Engagierten könnte den Blick für dauerhafte Lösungen zur Erhaltung der Anlage Schloss Pillnitz weiten und neue Möglichkeiten eröffnen.
Hier böte sich die längst bewährte und anerkannte Gesprächsform des „Runden Ti-sches“ an.
Zugleich würde somit ein Modell bürgerschaftlicher Mitverantwortung entstehen, in dem der Kulturraum als freier Raum für alle Menschen betrachtet und erhalten wird, ohne dass die Öffentliche Hand zu höheren Subventionen gedrängt werden müsste.

Bei allem darf nicht verkannt werden, dass die allein auf reine Wirtschaftlichkeit fo-kussierte Betrachtungsweise zur Erhaltung und Bewahrung einer historischen Anlage – und das gilt für alle Schlösser, Burgen und Gärten – dem kulturellen Wert und der Sinnhaftigkeit traditioneller Identitätsstiftung zuwider laufen könnte.
Alle Überlegungen zur Wirtschaftlichkeit müssen sich den Forderungen des sanften Tourismus unterordnen und nicht in einem Eventkulturbetrieb münden.

Für einen solchen wie hier vorgeschlagenen Prozess aber soll das Moratorium Raum schaffen.
Erst wenn sich dabei herausstellen sollte, dass alle Ideen nicht zu dem gewünschten Ergebnis einer verbesserten materiellen Absicherung des Etats von Schloss Pillnitz führen, müsste die Maßnahme eines Eintritts akzeptiert werden.

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Dresden – Pillnitz, am 20. Februar 2012