Hintergrund

Positionen der Beteiligten

Freistaat Sachsen

  • Kommerzialisiert wichtige Bereiche der Kultur ohne zu prüfen, wie sein Finanzbedarf anderweitig besser gedeckt werden könnte, z.B. durch verantwortungsbewussten Umgang mit Steuermitteln (s. Landesrechnungshof)

Stadt Dresden

  • profitiert finanziell von gestiegenen Touristen-Zahlen
  • wirbt mit Schloss und Park, entzieht sich jedoch der Finanzierungsaufgabe

Anwohner und Dresdner

  • vermissen Verbindungswege durch den Park
  • verlieren den Bezug zu Schloss und Park
  • bedauern die Unfähigkeit der öffentlichen Hand, die Werte vermittelnde Breitenwirkung eines frei zugänglichen Parks (Heimat und Kultur) zu erkennen
  • Der Anteil der Dresdner an den Parkbesuchern hat sich durch den Parkeintritt von 69% auf 19% reduziert.
  • Von den Dresdner Pillnitz-Besucher betrachtet den Park eine Mehrheit von außen (ca. 69%), nur eine Minderheit (ca. 31%) betritt ihn.

Regierende Parteien CDU und FDP sind verantwortlich für:

  • die Aufgabe der jahrhundertelangen Traditionen
  • die Schließung der meisten Tore
  • die unzureichende Finanzausstattung des Schlosses

Schlossverwaltung

  • handelt im Rahmen des politisch vorgegebenen Finanzrahmens und ist abhängig vom Finanzministerium

Ziele der Bürgerinitiative

Wiederherstellung der öffentlichen Wege des seit Jahrhunderten öffentlichen Bürgerparks Pillnitz

Verwirklichung Gesamtkonzept „Kulturraum Pillnitz“

Elbaue mit Elbinsel, Kirche Maria am Wasser, Schloss mit Schlosspark, Weinberge, Weinbergkirche, Ruine, Täler

Öffnung aller neun Tore und zusätzlich der beiden Tore am Chinesischen Pavillon und am Rathausplatz

Unterstützung der Anwohner-Klage beim Verwaltungsgericht Dresden auf Feststellung öffentlicher Wege

Erschließung intelligenterer Finanzierungsquellen (anstelle von Eintrittsgeldern)

Inpflichtnahme der Stadt zur Mitfinanzierung

Aktive kulturelle Nutzung statt reine Erhaltung und Bewahrung des Schlosses

  • im Winter derzeit kaum nutzbar
  • große Teile stehen leer oder dienen nur als Speicher

Aktivierung des bürgerschaftlichen Engagements

denkbar sind in einem öffentlichen Bürgerpark:

  • Förderverein Schlosspark Pillnitz
  • Patenschaften für Pflanzkübel und Parkbänke
  • Unterstützung von Veranstaltungen im Schlosspark
  • Organisation von Benefizveranstaltungen

Finanzen 2012

Die Schlossverwaltung rühmt nach dem ersten Jahr die Einführung des Parkeintritts mit Pressemitteilungen gerne als klaren Erfolg, z.B.:

  • „Eine halbe Million Besucher in Dresden-Pillnitz – knapp 800.000 Euro mit Eintrittsgeldern erwirtschaftet“ (DNN, 16.11.12)
  • „Vier neue Jungfacharbeiter und drei weitere Stellen für Schloss und Park Pillnitz dank Parkeintritt“ (SBG, 11.12.12)
  • „Eintritt im Schlosspark Pillnitz beschert Schlösserland Sachsen neuen Besucher-rekord“, „Erlöse von rund 400.000 Euro“ (DNN, 19.3.13)

Diese Pressemitteilungen und die genannten Zahlen sind jedoch mit Vorsicht zu betrachten. Bei ihrer Überprüfung ergibt sich ein anderes Bild:

  • Der Schlossbetrieb vermischt in diesen öffentlichen Darstellungen absichtlich die Zahlen für Umsatz und Gewinn
  • Bereits vor Einführung des Parkeintritts gab es Einnahmen z.B. aus Museumseintritt und Führungen. Diese werden in unzulässiger Weise in den Erlös eingerechnet.
  • Der angebliche Rekordanstieg der Besucher im Park Pillnitz um 29% basiert auf einem Vergleich mit den Museumsbesuchern von 2011. Das ist irreführenden, denn in jenem Jahr wurden die Parkgäste überhaupt nicht gezählt.
  • Die neu geschaffenen Stellen wurden nur bis Juli 2013 befristet.

Nach öffentlich verfügbaren Informationen lag der tatsächlich erwirtschaftete Betrag für den Parkeintritt 2012 bei ca. 300.000 Euro.

Dieser Betrag muss auch ohne eine Beschränkung des Parkzugangs durch Eintrittsgeld und den damit einhergehenden Kulturverlust zu erwirtschaften sein (Organisation der Geschäftsstruktur!), etwa durch eine enge Zusammenarbeit mit der Stadt Dresden oder eine wirksame Werbung.

Mittel dafür sind vorhanden. Allein die Imagekampagne des Freistaates Sachsen verfügt gegenwärtig über ein Budget von 32 Millionen Euro!

Kultur-Finanzierung in Sachsen

Kulturelle Einrichtungen werden derzeit in gGmbH’s umgewandelt, sie sollen nach wirtschaftlichen Maßstäben geführt werden.

Beispiele: Schlösser und Gärten, Philharmonie Dresden, Landesbühnen Sachsen

Der Eigentümer (Freistaat oder Kommune) will damit wohl Personal abbauen und zum Jahresende nur noch Defizite ausgleichen müssen.

Ministerpräsident Tillich (Quelle: SZ vom 20.3.12)

  • “Sachsen ist ein Synonym für die Kultur“
  • “Kultur kann Türen öffnen“ (Anm.: und auch Tore…)
  • “Wir spielen mit unseren großen Orchestern in der Champions-League“.
    Anm.: die Philharmonie sogar ohne eigenes Haus …

Unser Kulturgut Schlosspark Pillnitz – eigentlich doch ein Bildungsgut für Alle – wird zu einem Wirtschaftsgut abgewertet. Mit der Eintrittsgebühr verliert der Park seine gesellschaftlich so wichtige Rolle als eine in täglicher Anschauung erfahrbare Quelle für die Pflege von Natur und die Empfindung von Schönheit, sowie die ganz selbstverständliche Erfahrung von Geschichte.

Der Park ist eine Quelle, die zugleich Sinn, Identität und Gemeinsinn zu stiften vermag. Die Ausgrenzung der finanziell schwächer gestellten Bürger führt zu Unmut und  provoziert Spannungen. Das führt langfristig zum Zerfall von Gesellschaft.

Eine der wesentlichen Ursachen für die Kommerzialisierung unseres Kulturgutes, so auch für die zunehmenden Einsparungen im Sozialgefüge des Staates (Kita-Plätze, Schul- und Lehrermangel), ist die Verschwendung von  öffentlichen Mitteln (s. Landesrechnungshof).

Kein Verantwortungs- und Entscheidungsträger der öffentlichen Hand wird dafür jemals die Verantwortung übernehmen müssen (s. Landesbank-Milliarden etc.). Warum eigentlich nicht?

Es sind die Bürger, denen mit Steuererhöhungen und weiteren finanziellen Belastungen die Folgen für zahllose Fehlentscheidungen zugemutet werden. Einhalt, Besinnung und Umkehr sind geboten. Der Bürger wendet sich sonst vom Staate ab  –  und steht vielleicht von neuem auf!

Aktionen der Bürgerinitiative

Information der Öffentlichkeit zu Belangen des Schlossparks

Arbeitsgruppe (BI mit Schlossverwaltung und Finanzministerium)

Plakate und Spruchbänder im Ortsgebiet

Veranstaltungen

  • Protestspaziergänge im Park 2012
  • Informationsveranstaltungen 2012
  • weitere Aktionstage 2013/2014 geplant

Weiterentwicklung des Wirtschaftskonzeptes, mögliche Ideen sind:

  • Parkplatzkonzept für Busse und Besucher zugunsten Schloss
  • langfristige Finanzierungszusagen von Freistaat und Stadt
  • Konzession Dampferanlegestelle zugunsten Schloss
  • Organisation + Nutzung des bürgerschaftlichen Engagements
  • Ferienwohnungen im Schloss
  • Hochzeitszentrum im Schloss
  • Nutzung der Pavillons für Kleinkunst
  • bis 2018 Auflösung des Speichers, dafür attraktive Dauerausstellung der Staatlichen Kunstsammlungen Dresdens
  • Liegewiese im holländischen Park
  • durchgehender Radweg an der Elbe und durch den Park
  • Wegepflege in der Ortslage Pillnitz
    gesperrter Keppgrund-Weg, andere Täler, Elbhang, Ruine (Balkon von Pillnitz)

Das Problem „Schlosspark Pillnitz“

Der Schlosspark Pillnitz ist die ca. 300 Jahre alte Geschichte eines öffentlichen Bürgerparks, fester Bestandteil des Ortsteils Pillnitz und des Lebens seiner Anwohner.

Schloss und Schlosspark Pillnitz wurden im Auftrag von August dem Starken im 18. Jahrhundert auf enteignetem Grund und Boden errichtet.

Die ansässigen Bauern erhielten im Gegenzug das Wegerecht durch den Schlosspark in den Zeiten, in denen der König nicht im Schloss weilte.

Der freie Zugang zum Schlosspark wurde immer gewährt, im 19. Jahrhundert, zur Zeit des deutschen Kaiserreichs, in der Weimarer Republik, in der Nazizeit und in der DDR.

Im Jahr 2007 bestand an einem Runden Tisch Konsens zwischen Land Sachsen, der Stadt Dresden und den Anwohnern, dass der freie Eintritt zum Schlosspark erhalten werden soll.

Im Januar 2012 verkündet der dem Sächsischen Staatsministerium der Finanzen unterstellte Eigenbetrieb Schlösser, Burgen und Gärten seine Entscheidung, Eintritt zu verlangen. Als Reaktion gründet sich die Bürgerinitiative „Freier Parkzutritt“.

Alle Proteste blieben erfolglos: Die Eintrittsregelung wurde am 2. April 2012 eingeführt. Ein Zutritt ist nur noch an 3 Toren möglich. Die Mehrzahl der Tore ist geschlossen oder dient nur noch als Ausgang.